Was ist Wissen? Auf diese Frage gibt es viele Antworten, und sie alle sind mehr oder weniger falsch. Bereits Platon lieferte dafür eine zeitlose Begründung:

»Gefragt war aber nicht, wovon es Wissen gibt, noch auch, wie viele Arten des Wissens. Denn wir fragten nicht in der Absicht sie aufzuzählen, sondern um die Erkenntnis selbst zu begreifen, was sie wohl sein mag. […] Wenn uns jemand etwas ganz Gewöhnliches, das erste beste, fragte, etwa nach dem Lehm, was der wohl sei, und wir antworteten ihm, es gebe Lehm für die Töpfer und Lehm für die Puppenmacher und Lehm für die Ziegelstreicher – ob wir uns nicht lächerlich machten? […] Zuerst nämlich schon, weil wir glaubten, der Fragende könne nun aus unserer Antwort die Sache verstehen, wenn wir doch nur wieder sagten: der Lehm – mögen wir auch noch hinzusetzen der des Puppenmachers oder eines anderen Handwerkers. Oder glaubst du, daß jemand die Bezeichnung eines Dinges versteht, von dem er nicht weiß, was es ist? […] So versteht also auch ›Erkenntnis von Schuhen‹ nicht, wer überhaupt nicht weiß, was Erkenntnis ist. […] Es ist also eine lächerliche Antwort von dem, der gefragt wird, was Erkenntnis ist, wenn der darauf mit dem Namen irgendeiner ›Kunde‹ antwortet. […] Dann auch […] beschreibt er einen unendlichen Weg.«
Platon: Theaitet, übersetzt v. Schleiermacher, F., Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1979, S. 17 ff.

Die Beschreibung unendlicher Wege kann aber auch ihre Vorteile haben (wenn auch nicht für jedermann): 

„So schwätzt und lehrt man ungestört;
Wer will sich mit den Narrn befassen?
Gewöhnlich glaubt der Mensch,
Wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“ (Goethe)


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